Die Geschichte mit dem Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer.

Der Nachbar hat einen.

Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommen ihm Zweifel. Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich.

Und was?

Ich habe ihm nichts getan, der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand sich von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich  gäbe es ihm sofort.

Und warum er nicht?

Hammer liegt auf Holz
Foto von iMattSmart bei Unsplash

Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen?

Leute wie dieser Kerl vergiften einem das ganze Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat.

Jetzt reicht's mir wirklich.

Und so stürmt er hinüber, läutet, sein Nachbar öffnet, doch noch bevor er" Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an:

"Behalten Sie ihren Hammer, Sie Rüpel".

          Von Paul Watzlawik aus Anleitung zum       

          Unglücklichsein

Diese Geschichte zeigt sehr eindrucksvoll die Macht der Gedanken und ihre oft fatalen Auswirkungen, wenn man allen seinen Gedanken glaubt ohne diese zu hinterfragen.

Wie sich aus einem am Anfang sehr harmlosen Gedankenkonstrukt : gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig,...der Gedanke formt:

Vielleicht hat er was gegen mich?

Laut A. Beck, einem Begründer der KVT ein häufiger Denkfehler, willkürliches Schlussfolgern genannt.

Und sich dann steigert zu der völlig unbegründeten Annahme,  das sein Nachbar ihm die Bitte, ihm seinem Hammer auszuleihen , abschlagen wird.